9. Tage der Barockmusik Schrobenhausen
LUTHER & BACH

 

Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss

Grußwort zu den Schrobenhauser
Barocktagen 2017tl_files/grusswort/Weiss, Hans-Martin. Regionalbischof. 2015. Chamois. IMG_4695.jpeg

 

Liebe Gestalter und Besucher der Schrobenhauser Barocktage, in einer der vielen Vorbereitungsdiskussionen zum Reformation- bzw. Luther Jubiläum 2017 beschäftigte uns Kardinal Marx mit der Frage: „Was feiern wir eigentlich in diesem Reformationsjahr?“
Ich gab ihm zur Antwort: „Herr Kardinal, wir feiern einen Zugewinn an
Frömmigkeit.“ Dafür gibt es gute Argumente: die Reformation hat es mit sich gebracht, dass am Ende des 16. Jahrhunderts also des Reformationsjahrhunderts 25 % aller Haushalte in Deutschland eine Bibel in deutscher Sprache besaßen.

Die Reformation hat es auch mit sich gebracht, dass es zu einer Hochblüte des geistlichen Volksgesangs in Deutschland kam. Überall wurden Gesangbücher gedruckt, überall entstanden neue Lieder, die jeder mitsingen konnte, in denen jeder Ausdruck für seinen Glauben fand.
Die Reformation hat es auch mit sich gebracht, dass Chöre entstanden, die vor allen Dingen die neu vertonten Motetten sangen, die mehr enthielten als den liturgischen Text des Gottesdienstes und vor allem viele Menschen durch die Musik an die Bibel heran führten

Diese Entwicklungen, für die Martin Luther ganz maßgeblich wirkte und für die er etliche Anregungen gab, sind der reiche Humus, auf dem die vielen hoch begabten Musiker mit dem Namen Bach in Thüringen und Sachsen ihre
musikalischen Begabungen entwickelten und zu Gottes Musikern in der Mitte
Deutschlands wurden. Über 50 Träger des namens Bach haben im 17. und 18.
Jahrhundert als Kirchenmusiker gewirkt – in erster Linie ist das Erbe von
Johann Sebastian Bach aus dieser Zeit bis in unsere Gegenwart überkommen.

Daraus sind manche romantische Verklärungen entstanden, aber es ist keine
Anmaßung, von Johann Sebastian Bach als dem fünften Evangelisten zu
sprechen.
Ich bin selber als Christ und Theologe ganz in diese Tradition gestellt. Mein
Urgroßvater war Lehrerkantor in einem ostpolnischen Dorf, mein Großvater war
Dozent für Kirchenmusik und Komponist in Bayreuth, mein Vater war Kantor in
Fürth/Bayern. Diese Tradition ist für mein Christsein ganz entscheidend. Luther
und Bach gehören für mich und meine Vorfahren untrennbar zusammen.
Ich wünsche den Schrobenhausen Barocktagen gutes Gelingen und Gottes
Segen.

Dr. Hans-Martin Weiss
Regionalbischof